Seminar Improvisationstheater

In einer immer komplexer werdenden Welt werden auch die Situationen im Alltag immer komplexer. Dies macht die Fähigkeit, spontan und selbstsicher reagieren zu können von unschätzbarem Wert.

Zur Verbesserung dieser Fähigkeit holten wir am Wochenende des 19.01./20.01.19 Thomas Fehrmann, einen Impro-Theater Schauspieler und Lehrer zu uns. Schließlich sind Selbstwahrnehmung und Spontanität die Säulen, auf denen jedes erfolgreiche Impro-Theater fußt. Thomas gibt sein Wissen im Rahmen des Studium Generale an der Universität Stuttgart und als Teil der Impro-Theatergruppe „Heilix Spässle“ weiter. Seine Lehrphilosophie lässt sich dabei als „anwendungsorientiert“ beschreiben, da auf jede theoretische Erklärung eine praktische Übung, folgt.

Am ersten Tag des Seminars entwickelte Thomas mit uns ein Verständnis für unsere Konzentrationsfähigkeit und ihre Grenzen. In einer der Übungen musste jeder ein bestimmtes Wort von einem Vorgänger empfangen und ein anderes Wort an einen anderen Nachfolger senden, sodass eine Kette entsteht, in der jeder Anwesende einen Vorgänger und einen Nachfolger hat. Bisher ganz simpel. Kompliziert wird es erst, wenn mehrere unterschiedliche dieser Ketten auf einmal durchlaufen werden. Wenn man auf vier Wörter gleichzeitig lauschen muss, während sechs andere Leute ihre Wörter durcheinanderrufen, wird man sich schnell seines Multitasking-Defizits bewusst. Aufmerksamkeit ist der Fokus unserer Wahrnehmung und uns entgeht fast alles, welchem wir keine Aufmerksamkeit schenken.

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In einer anderen Übung sollten wir ein Gefühl für unsere Emotionen und ihre Darstellung in Gestik, Mimik und Aussprache entwickeln. In Zweiergruppen sollten wir unserem Gegenüber zufällige Worte mit unterschiedlichen vorgegebenen Emotionen artikulieren. Die Schwierigkeit dieser Übung wird jedem bewusst, der „Schokolade“ mit Wut, „Laserdrucker“ mit Liebe und  „Hundewelpen“ mit Abscheu ausdrücken muss.

Der zweite Tag des Seminars haben wir zur Kultivierung von Spontanität genutzt. Die Herangehensweise war hierbei, dass Spontanität dadurch erlangt werden, indem man unterschiedliche Situationen simuliert, in denen man ohne viel Zeit zum Nachdenken reagieren muss. Sehr interessante Übung hierzu sind Ratespiele. 

Eine Person spielt einen unzufriedenen Kunden, der einen Gebrauchsgegenstand zu einem Verkäufer, gespielt von einer anderen Person, retourniert.  Der Clou dabei ist, dass der Kunde nicht weiß, welchen Gegenstand er zurückbringt, vor dem Verkäufer aber trotzdem selbstsicher und vor allem unzufrieden über das Produkt auftreten muss. Der Verkäufer weiß, um welchen Gegenstand es sich handelt, und streut im Dialog mit dem Kunden einige Hinweise über das Objekt ein. Ziel des Kunden ist es, einen (gerne unterhaltsamen) Dialog mit dem Verkäufer aufrecht zu erhalten und am Ende die Identität seines Gegenstandes herauszufinden.

In einer ähnlichen anderen Übung sind drei Leute involviert. Person 1 spielt einen Reporter der Person 2 über seinen/ihren Beruf befragt. Person 3 spielt die Arme von Person 2. Nur Reporter und Arme wissen, welchen Beruf Person 2 ausübt. Ziel der Übung ist, dass Person 2 Informationen über die Fragen des Reporters und die Gestik seiner Arme erhält und diese richtig deuten muss, während sie dem Reporter antworten muss.

Am Ende des Seminars hatten wir alle eine neue Wertschätzung für Selbstwahrnehmung und Spontaneität, sowie Möglichkeiten, diese zu trainieren.

Sinan Alp Aslan