Carl von Bach

* 8. März 1847 in Stollberg/Erzgeb. † 10. Oktober 1931 in Stuttgart

EM SS 1870

Leben

Geboren als Sohn des Sattlermeisters und Wagenbauers Heinrich Julius Bach absolvierte er nach dem Besuch der Volksschule eine Schlosserlehre, die er 1863 trotz körperlicher Schwäche als Folge einer schweren Lungenentzündung erfolgreich abschloss. Danach arbeitete er zunächst in der Maschinenfabrik Hartmann in Chemnitz.

Parallel besuchte er die Höhere Gewerbe- und danach (aus Geldmangel) die Werkmeisterschule in Chemnitz. Seine Leistungen ermöglichten es ihm, von 1866 bis 1868 am Polytechnikum Dresden zu studieren. 1868 folgte er seinem Lehrer Wilhelm von Kankelwitz als Assistent nach Stuttgart wo er am 1. Februar 1870 gemeinsam mit anderen den „Verein Hütte an der Kgl. Polytechnischen Schule zu Stuttgart“ gründete – aus dem sich später der heutige Akademische Verein Hütte entwickelte. Am 5. Februar 1893 übernahm er gemeinsam mit Robert Bosch und weiteren Mitgliedern die Führung des Ortsausschusses des neu gegründeten „Altherren-Verbandes der Hütte“.

1878 wurde Bach als ordentlicher Professor an die Technische Hochschule Stuttgart berufen, deren Rektor er von 1885 bis 1888 war. Als erster in Deutschland versuchte er den damals geltenden Grundsatz vom „Gegensatz zwischen Theorie und Praxis“ auf dem Gebiet des Maschinenbaus in Frage zu stellen und setzte sich nachdrücklich für Pflichtpraktika in der Ingenieursausbildung ein. 1884 gründete er die Materialprüfungsanstalt Stuttgart. Rufe an die Universitäten in Wien, Berlin und Zürich lehnte Bach ab. 1886 war er Vorsitzender des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI). In den Jahren von 1912 bis 1918 war Bach für die Technische Hochschule Mitglied der Ersten Kammer des Württembergischen Landtages. 1922 wurde Bach emeritiert. Zwischen 1922 und 1928 war er Mitglied des Senats der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft.

 

Schwerpunkte seiner Arbeit

Bach gilt als der Begründer der modernen statischen Elastizitäts- und Festigkeitslehre. Als damals besonders fortschrittlich galt seine Festigkeitshypothese auf Basis der größten Dehnung (Größtdehnungshypothese). Außerdem führte er das Anstrengungsverhältnis in die Schwingfestigkeitslehre ein.

Früh erkannte er auch die Bedeutung der Metallographie für Schadensanalysen und die Entwicklung metallischer Werkstoffe, insbes. für Dampfmaschinen, und trieb deren Weiterentwicklung zusammen mit Richard Baumann voran.


Als Bachs Hauptwerke gelten die 1881 erschienene Schrift Die Maschinenelemente, ihre Bedeutung und Konstruktion, das 1889/1890 erschienene Werk Elastizität und Festigkeit. Die für die Technik wichtigsten Sätze und deren erfahrungsmäßige Grundlage sowie das 1914 gemeinsam mit Richard Baumann publizierte Buch Festigkeitseigenschaften und Gefügebilder der Konstruktionsmaterialien.


Carl von Bach pflegte umfangreiche Kontakte zu Unternehmern und Erfindern wie August Wöhler, Robert Bosch, Paul Daimler, Rudolf Diesel und Graf Ferdinand von Zeppelin. Insbesondere Bosch unterstützte das Wirken Bachs auch finanziell über eine eigens gegründete Robert-Bosch-Stiftung mit einer Summe von einer Million Mark. Daneben war Bach auch im kultur- und gesellschaftswissenschaftlichen Bereich engagiert und gründete z. B. mit Bosch zusammen den „Verein zur Förderung der Begabten“, der insbes. die Qualifizierung von Ingenieuren im Ausland unterstützen sollte. Er gilt als früher Technokrat, für den nur Leistung und Können über den beruflichen und gesellschaftlichen Aufstieg Einzelner bestimmen sollten. Daher gehörten für ihn auch Humanismus und Philosophie in den Ausbildungskanon einer Technischen Hochschule, womit dem Studium generale der Weg geebnet wurde.

Ehrungen

1870: Ehrenmitglied des spätere Akademischen Vereins Hütte Stuttgart
1894: Grashof-Denkmünze des Vereins Deutscher Ingenieure
1895: Ehrenkreuz des Ordens der Württembergischen Krone verbunden mit der Erhebung in den persönlichen, nicht vererbbaren Adel[6]
1895: Ernennung zum Auswärtigen Mitglied der Kgl. Gesellschaft der Wissenschaften und schönen Literatur zu Göteborg
1899: Ehrenmitglied des VDI
1902: Komturkreuz II. Klasse des Friedrichs-Ordens durch den Württembergischen König
1902: Komturkreuz II. Klasse des Königlich Sächsischen Albrechts-Ordens
1902: Sächsische Landwehr-Dienstauszeichnung II. Klasse
1903: Ehrendoktorwürde (Dr.-Ing. E. h.) der Technischen Hochschule Charlottenburg
1906: Königlicher Kronen-Orden zweiter Klasse[7]
1913: Ehrenbürgerwürde der Stadt Stollberg
1913: Honorary Member of the Concrete Institute London
1914: Titel und Rang eines „Staatsrates“
1914: Kgl. Preußische Denkmünze für verdienstvolle Leistungen im Bau- und Verkehrswesen
1914: Preis der Internationalen Baufachausstellung Leipzig
1914: Kgl. Sächsische Staatsmedaille
1918: Exzellenz (Titel)
1917: Ehrenvorsitzender des Württembergischen Bezirksvereins des VDI
1924: Wilhelm Exner-Medaille
1927: Ehrendoktorwürde (Dr.-Ing. E. h.) der Technischen Hochschule Stuttgart
1927: Ehrenbürgerwürde der Stadt Stuttgart
1927: Ehrendoktorwürde der Technischen Hochschule Wien
1927: Ehrenpräsident des allgemeinen Verbandes der Deutschen Dampfkesselüberwachungsvereine
1927: Ehrendoktorwürde der TH Stuttgart
1927: Ehrendoktorwürde der Universität Tübingen
1929: Ehrenbürger der TH Stuttgart
1997: Carl-von-Bach-Gymnasium in Stollberg/Erzgeb.

Sonstiges

Carl von Bach ist die seit 1984 von der MPA Stuttgart vergebene Carl-von-Bach-Gedenkmünze gewidmet.

Konrad Fröhlich

Robert Bosch